Lichtprojektion am Bundestag

Unsere Bewertung:

Open Air Kino mal ganz anders. Gezeigt wird der Film mit dem unserer Meinung nach viel zu langen Titel „Dem deutschen Volke – Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“. Langweilig wird's dennoch keineswegs. Und wir verraten euch warum.

Adresse:

Lichtprojektion am Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin

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Dem Deutschen Volke


Bundestag? Gibt‘s zu der Kuppel nicht schon ’nen Artikel? Doch, den gibt es. Aber während der Sommermonate und noch bis zum 3. Oktober ist der gläserne Oberbau des Bundestages nicht das einzige was es hier zu bestaunen gibt.

Der Nachthimmel über Berlin empfängt uns, als wir mit hektischen Schritten die letzten Treppenstufen der U5-Station am Bundestag hinauf eilen. Die Dunkelheit hat sich an diesem kühlen Septembertag kurz vor 21 Uhr längst über die Stadt gelegt. Am Paul-Löbe-Haus entlang bewegen wir uns zügig Richtung Spree. Hin zu jenem Ort, von dem aus uns die letzten Bässe und Musik eines Films unter freiem Himmel entgegen schlagen. Einige Dutzend Menschen haben sich dort bereits versammelt, starren gebannt über die Spree hinweg an eine vermeintliche Hauswand und beginnen zu klatschen, als die Musik endet und das Licht erlischt. Unser Ziel ist das Reichstagsufer am Friedrich-Ebert-Platz und was wir sehen wollen ist die Lichtprojektion Bundestag, die wir knapp verpasst haben. Zum Glück wird die Projektion immer zwei Mal hintereinander gezeigt. Pünktlich um 21 Uhr machen wir es uns deshalb auf den Stufen hinter dem Reichstagsgebäude bequem und starren gebannt auf das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am anderen Ufer.

Wie auch schon im vergangenen Jahr wirft sich der Bundestag noch bis zum Tag der Deutschen Einheit ordentlich in Schale. Seit dem 29. Juni verwandelt sich das Marie-Elisabeth-Lüders Haus allabendlich in eine riesige Leinwand – Open Air Kino mal ganz anders. Gezeigt wird der Film (mit dem unserer Meinung nach viel zu langen Titel) „Dem deutschen Volke – Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“. Kurz gesagt: Erzählt wird die Geschichte des Bundestages. Ob das nicht etwas langweilig ist? Keineswegs! Denn im Gegensatz zum klassischen Lehrbuchtext aus Schulzeiten reiht die Lichtprojektion keine öden Fakten aneinander. Sie erzählt vielmehr mit berühmten Zitaten, eindrucksvollen Bildern, Filmausschnitten, Musik und einem ordentlichen Bass die wichtigsten und emotionalsten Momente aus über 100 Jahren Parlamentsgeschichte. Von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik und die NS-Diktatur bis hin zur Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Geschickt erzählt der Film dabei nicht nur die Geschichte des Reichstagsgebäudes, seine Zerstörung, Verhüllung und Wiedereröffnung. Sondern auch einen bewegten Abschnitt deutscher Geschichte. Und das immerhin so gut, dass man beim Anblick der einen oder anderen Szene („Mr. Gorbachev, tear down this wall!“) schon einmal eine Gänsehaut bekommt. Und das übrigens gratis!

Besonders cool ist, dass die gesamte Fläche des Marie-Elisabeth-Lüders Hauses als Leinwand genutzt und der eigentliche Film von einer Reihe passender Laserprojektionen untermalt wird. So leuchtet uns zur Teilung Berlins ein weißer Stacheldraht gefährlich entgegen, Flugzeuge ziehen über den Boden vor den Zuschauern hinweg, als die Rosinenbomber zum Einsatz kommen und zum Fall der Berliner Mauer beginnt auch die projizierte Mauer aus Licht an der Hausfassade zu bröckeln.

Noch bis zum Anfang Oktober ist die Lichtprojektion täglich ab 20:30 Uhr zu bestaunen. Wer dieses Jahr keine Gelegenheit findet, dem Bundestag einen abendlichen Besuch abzustatten, der sollte sich den nächsten Sommer vormerken. Gegen Ende Juni wird die Geschichte des Bundestages erneut an die Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses geworfen. Wegen der längeren Tage dann auch zu späterer Stunde (gegen 22 Uhr) – ideal also, um einen Partyabend einmal außergewöhnlich zu beginnen!

Eure Sarah

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Autor

Jahrgang 1992 - Ursprünglich aus dem gemütlichen Bayern stammend, bedeutet Berlin für Sarah vor allem eines: Freiheit, Abenteuer und das perfekte Chaos! Während eines Praktikums hat sie ihre Liebe zu den Lichtenberger Plattenbauten entdeckt und lebt seit einiger Zeit mit ihrem Notizbuch, einer endlos langen Berlin-To-See-Liste und einem Kaktus im ehemaligen Osten der Hauptstadt. Wenn sie nicht gerade für ihr Psychologiestudium lernt, setzt sich Sarah gerne in die nächsten S-Bahn um an irgendeinen Ort in Berlin zu fahren, den sie noch nicht kennt – oder in das nächste Café.

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